Peer-Netzwerk bietet Austausch rund ums Thema Berufsnachwuchs

26. November 2025
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Ivo Aeschlimann

Ivo Aeschlimann, Inhaber von vier ghel-Salons, hat in Zürich ein Pilotprojet inklusive Peer-Netzwerk gestartet. Im Mittelpunkt stehen die Dauerbrenner-Themen Berufsnachwuchs, Lehrstellenbesetzung, Lehrlingsausbildung. Das Netzwerk bringt Gross- und Kleinbetriebe für einen offenen Austausch und schnelle, praxisnahe Hilfestellung zusammen.

Inhaltsübersicht

Ivo, du hast ein Lehrlings- und Lehrstellen-Projekt lanciert. Wo genau drückt der Schuh?

Themen wie Mangel an geeigneten Bewerbungen, Zunahme von Lehrabbrüchen oder Anstieg von Krankheitstagen beschäftigen uns alle – ob Kleinunternehmen oder Grossbetrieb. Hier setzt unser Projekt „Salon Power“ an. Im Kern geht es darum, zu zeigen, wie wichtig es ist, die passende Person für den eigenen Betrieb zu finden und wie die Ausbildung gestaltet werden kann, dass junge Talente motiviert bleiben und nach der Lehre in unserem Beruf weiterarbeiten.

Wie siehst du die Lehrstellensituation?

Wir beobachten seit einigen Jahren, dass die Anzahl neuer Lehrverträge rückläufig ist. Gleichzeitig erleben wir im Alltag eine erfreulich hohe Qualität bei jungen Menschen, die sich bewusst für unseren Beruf entscheiden. Herausfordernd bleibt, dass gerade Kleinstbetriebe oft nicht die Ressourcen haben, Lernende auszubilden. Genau dort setzen wir mit unseren Projekten an: Wir wollen Betriebe ermutigen, Lernende professionell zu begleiten und die Attraktivität unserer Branche langfristig zu sichern.

Was hat sich in den letzten Jahren gewandelt?

In den Salons startet eine Generation, die vollständig digital aufgewachsen ist. Sie ist schnelles Feedback, hohe Interaktion und unmittelbare Erfolgserlebnisse gewohnt. Der Übergang von der Schule in die Berufswelt bringt deshalb neue Anforderungen mit sich. Ein strukturierter Onboarding-Prozess ist heute entscheidend: Junge Talente müssen noch stärker spüren, wofür das Unternehmen steht, welche Werte gelebt werden und wie sie aktiv dazu beitragen können. Die Ausbildung muss individueller, praxisnaher und visuell ansprechender gestaltet werden, damit junge Menschen motiviert bleiben und unserem wunderbaren Beruf auch nach der Lehre treu bleiben.

Was sind heute die grössten Herausforderungen bezüglich Ausbildung von Lernenden im Salon?

Die zentrale Herausforderung liegt darin, Lernende eng zu begleiten und ihnen gleichzeitig echte Verantwortung zu übertragen. Sie brauchen klare Ziele, kontinuierliche Rückmeldungen und regelmässige Erfolgserlebnisse. Parallel dazu müssen wir einen realistischen Berufsalltag vermitteln, Kundenkontakt und Arbeitsbelastung behutsam steigern und dennoch höchste Servicequalität bieten. Gleichzeitig gilt es, eine inspirierende Salon-Community zu schaffen, in der sich Lernende gesehen und wertgeschätzt fühlen. Nur wenn Motivation, Identifikation und moderne Ausbildungsformen zusammenkommen, bleiben junge Fachkräfte langfristig in unserer Branche und entwickeln sich zu den Profis von morgen.

Wer steht hinter dem Pilotprojekt «Salon Power»?

„Salon Power“ ist entstanden, nachdem der Kanton Zürich Projekte gesucht hat, die langfristig Lehrstellen sichern und neue Ausbildungsplätze schaffen. Grundlage dafür war eine Studie der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB), die Faktoren zur Stärkung der Berufsbildung identifiziert hat – unter anderem das Peer-Netzwerk-Prinzip. Genau darauf haben wir aufgebaut. 

Wie seid ihr vorgegangen?

Mit Unterstützung des Kantons, der Stiftung Artisana und der coiffureSuisse-Sektion Stadt Zürich haben wir kostenlose Workshops für Saloninhaber*innen mit Impulsen für eine erfolgreiche Ausbildungspraxis veranstaltet. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Was muss ich im Salon umorganisieren? Wie schaffe ich ein gesundes Arbeitsklima? Wie ticken die Generationen GenZ und Alpha? Wie nutze ich Social Media als Rekrutierungstool? Die Teilnehmer*innen dieser Workshops haben sich anschliessend in einem Netzwerk zusammengeschlossen.

Wie funktioniert dieses Peer-Netzwerk?

Wir haben uns als WhatsApp-Gruppe organisiert und vernetzen Betriebe, damit sich Saloninhaber*innen und Berufsbildner*innen zu Alltagssituationen austauschen können. Fragen werden im Netzwerk geteilt. Innert kurzer Zeit erhält man zahlreiche Rückmeldungen aus der Praxis. Mittlerweile sind rund 70 Personen aktiv dabei und bekommen zeitnahe Unterstützung, bevor Frust entsteht und Lehrverträge gefährdet sind. Zudem gibt es monatliche Video-Calls zu einem Thema. Für 2026 sind monatliche Chats mit externen Expert*innen geplant.

Wie werde ich Teil des Netzwerks?

Bitte per WhatsApp (079 668 44 44) bei Ivo Aeschlimann melden.

Foto: www.ghel.ch

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